Beiträge

Warum Paid Content in Norwegen am besten funktioniert

2017-12-12T14:05:46+00:00 05.01.2018|Kategorien: Blog, Journalismus, Umfeldqualität|Tags: , , , |

Wer sich auf die Suche nach dem idealen Umfeld für Paid Content von Zeitungsverlagen macht, sollte sich gen Norden orientieren. Und zwar so nördlich wie möglich: Norwegen heißt das gelobte Land von Qualitätsinhalten, die von den Landsleuten entsprechend honoriert werden – und zwar in barer Münze.

Wie das Reuters Institute for the Study of Journalism im Digital News Report 2017 herausgefunden hat, besteht in keinem anderen Land auf der Welt eine so große Zahlungsbereitschaft für kostenpflichtige Nachrichten im Internet wie in dem skandinavischen Staat mit rund fünf Millionen Einwohnern.

Höchste Zahlungsbereitschaft für Nachrichten in der Welt 

87 Prozent aller Norweger informieren sich über Nachrichten online – 26 Prozent davon sind bereit, für Informationen auf redaktionellen Webseiten zu zahlen. Nicht berücksichtigt sind dabei Hybrid-Modelle, bei denen der Online-Zugang mit Print-Angeboten gebündelt wurde – tatsächlich dürfte die Neigung, für Editorial Media zu bezahlen, also noch deutlich höher sein.

Woher kommt die Zahlungsbereitschaft in Norwegen? „Die starke Tradition vom Zeitungslesen hat den Übergang zu Digital-Abonnements erleichtert“, folgern Hilde Sakariassen und Hallvard Moe von der Universität Bergen in der Reuters-Studie. So liege die Sozialisierung der Nachrichtenvermittlung eindeutig im gedruckten Wort statt – wie in den USA – im Fernsehen.

Enge Bindung zu starken Zeitungsmarken

Die Akzeptanz des Bezahlmodells steigt unterdessen rasant an. „Unser Paid Content-Modell Dagbladet+ hat in den vergangenen drei Jahren jeweils Wachstumsraten bei oder über 100 Prozent gesehen“, zieht Stephan Granhaug, Vize-Digitalchef beim Dagbladet, neben der Qualitätszeitung Aftenposten und dem Boulevardblatt VG eine der größten Zeitungsverlage des Landes, gegenüber dem Lokalportal The Local eine sehr positive Bilanz.

Die enge Bindung zu den Traditionspublikationen äußert sich auch in der Form des Nachrichtenkonsums. „Fast zwei Drittel der Norweger finden die Nachrichten, indem sie die Website der Anbieter direkt ansteuern, während weitaus weniger die entgegengesetzte Route wählen und bei Google News nach einer Story suchen“, erklärt Hilde Sakariassen gegenüber The Local das norwegische Nutzungsverhalten von Nachrichten.

Social Media-Skepsis

In die Karten spielt digitalen Publishern die enorme Internetdichte im flächenmäßig zweitgrößten Land Skandinaviens, dessen Bewohner zu 96 Prozent mit dem Web verbunden sind. Gleichzeitig herrscht in Norwegen traditionell eine natürliche Skepsis gegenüber Social Media-Diensten, die im Zeitalter von Fake News zuletzt auch in Rest-Europa größer geworden ist.

„Obwohl viele Social Media als Teil ihres täglichen Nachrichtenkonsums nutzen, stellen die Dienste nur für wenige die erste Quelle dar, was die Skepsis vor dubiosen Quellen verdeutlicht“, klärt Sakariassen auf. „Norweger vertrauen am meisten Traditionsmedien, auch wenn nicht jeder dafür bereit ist zu zahlen“, resümiert die Medienwissenschaftlerin.

Der Autor

Nils Jacobsen
Nils Jacobsen
Nils Jacobsen ist Wirtschaftsjournalist und Techreporter in Hamburg. Der studierte Medienwissenschaftler und Buchautor („Das Apple-Imperium“ / „Das Apple-Imperium 2.0“ ) berichtet seit 20 Jahren über die Entwicklung der Aktienmärkte und digitalen Wirtschaft: seit 2008 täglich für den Branchendienst MEEDIA, in einer wöchentlichen Kolumne für Yahoo Finanzen und in monatlichen Reportagen für die Marketingzeitschrift absatzwirtschaft. Jacobsen war zudem als Chefredakteur der Portale CURVED, clickfish, US FINANCE und YEALD aktiv.