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Digitale Medienverlage: BuzzFeed zurück auf der Erfolgsspur

2018-04-09T17:19:35+00:00 13.04.2018|Kategorien: Blog, Journalismus, Umfeldqualität|Tags: , , , |

„44 Bilder, die Deine Wessi-Kindheit perfekt zusammenfassen.“ „34 Dinge, die deutscher sind als deine Auto-Außenspiegel zur nächsten WM.“ „18 Fotos, die nur Frauen verstehen, die gerne Alkohol trinken.“

Mit Listicles wie diesen hat sich ein 2006 gegründetes Start-up aus New York bis heute in die Herzen von monatlich 200 Millionen Nutzern geschrieben und gepostet. BuzzFeed wollte von Tag eins „The Media Company for the Social Age“ sein, das teilbaren Viral-Content für die Generation Facebook liefert.

Die Rechnung ging auf: Parallel zum Siegeszug des weltgrößten sozialen Netzwerks ist BuzzFeed zu einem der erfolgreichsten rein digitalen Medienverlage der vergangenen Dekade aufgestiegen. Im vergangenen Jahr soll dieser bereits 280 Millionen Dollar umgesetzt haben und auf Basis der letzten Finanzierungsrunde von 2016 bereits mit 1,7 Milliarden Dollar bewertet wurde. Der Digital-Blog Stratechery nannte BuzzFeed bereits vor Jahren einmal „die wichtigste News-Organisation der Welt“.

Wachsende Unabhängigkeit von Facebook  

Im vergangenen Jahr war erstmals erste Anzeichen einer wachsenden Entfremdung von Facebook, dem wichtigsten Traffic-Lieferanten für BuzzFeed, spürbar, als BuzzFeeds Jahresumsätze 70 Millionen Dollar unter der Zielmarke gelegen haben sollen.

CEO Jonah Peretti geht inzwischen entsprechend hörbar auf Distanz zum Social Media-Giganten. „Meine große Kritik an der Strategie von Facebook ist, dass sie den ganzen Umsatz mit dem Newsfeed generieren, Erlösbeteiligungen aber nur bei neuen Angeboten – wie Instant Articles oder Watch – anbieten und nicht bei der Hauptquelle des Umsatzes, dem Newsfeed“, erklärte der frühere Mitgründer der Huffington Post vor wenigen Wochen gegenüber dem Branchendienst Digiday.

Wachsende Unabhängigkeit vom Werbegeschäft

Neben der wachsenden Unabhängigkeit von Facebook strebt BuzzFeed auch eine höhere Unabhängigkeit vom Werbegeschäft an. So hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren ein zunehmend diversifiziertes Erlösmodell aufgebaut.

Zwar stammte der Löwenanteil der Erlöse (75 Prozent) in 2017 weiter aus dem klassischen Werbegeschäft, inzwischen setzt BuzzFeed jedoch verstärkt auf einen Mix anwachsenden Geschäftsfeldern: Video-Produktionen, dem Lizenzgeschäft und Merchandising, die in diesem Jahr bereits für ein Drittel und 2019 gar für die Hälfte der Erlöse sorgen sollen.

Verticles eröffnen neue Erlöspotenziale

Mitverantwortlich für den Erlösboom sind Marken-Ableger („Verticals“) wie beispielsweise die Kochseite Tasty, die sich in den sozialen Medien vor allem durch ihre Zubereitungsvideos, die monatlich bis zu drei Milliarden Abrufe generieren, enormer Beliebtheit erfreut.

Tatsächlich erzeugte im vergangenen Jahr kein Medienunternehmen mehr Videoabrufe auf Facebook und YouTube als BuzzFeed, das mit insgesamt 65 Milliarden Views deutlich vor den Filmgiganten Disney und TimeWarner lag.

Durch die enorme Reichweite eröffnen sich, neben klassischen Werbeerlösen, auch andere Erlöspotenziale wie gesponserte Beiträge auf YouTube, Kooperationen (zum Beispiel mit Walmart) und Merchandising-Geschäften wie Kochbücher. Im vergangenen Jahr launchte BuzzFeed zudem zum stolzen Preis von 179 Dollar die Smart Home-Kochplatte Tasty One Top, die sich via Bluetooth mit dem Smartphone steuern lässt. Mit solchen Merchandising-Angeboten und Kooperationen hat BuzzFeed im vergangenen Jahr bereits 52 Millionen Dollar Umsatz generiert.

Nach der Blaupause von Tasty hat BuzzFeed unterdessen weitere Medienmarken etabliert: Goodful für Gesundheit und Wellness sowie Nifty für den Haushalt. Weitere Verticals zu Beauty und Style sind in Planung.

Wie geht es in der Zukunft weiter?

Doch auch im Butter-und-Brot-Geschäft hat BuzzFeed weiter große Pläne. So denkt ausgerechnet der Meisterproduzent von viralem Gratis-Content über die Einführung von Bezahlinhalten nach, wie Jonah Peretti dem Branchendienst Digiday jüngst verriet. „Ein Abo-Modell ist denkbar. Eine teilweise Paywall könnte Sinn machen“, schlägt der 44-Jährige ungewohnte Töne an.

Der Autor

Nils Jacobsen
Nils Jacobsen
Nils Jacobsen ist Wirtschaftsjournalist und Techreporter in Hamburg. Der studierte Medienwissenschaftler und Buchautor („Das Apple-Imperium“ / „Das Apple-Imperium 2.0“ ) berichtet seit 20 Jahren über die Entwicklung der Aktienmärkte und digitalen Wirtschaft: seit 2008 täglich für den Branchendienst MEEDIA, in einer wöchentlichen Kolumne für Yahoo Finanzen und in monatlichen Reportagen für die Marketingzeitschrift absatzwirtschaft. Jacobsen war zudem als Chefredakteur der Portale CURVED, clickfish, US FINANCE und YEALD aktiv.