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IPSO London: Fake News not welcome!

2018-05-17T19:31:18+00:00 01.06.2018|Kategorien: Ads des Monats, Blog, International, Journalismus, Umfeldqualität|Tags: , , |

Die Independent Press Standards Organisation, kurz IPSO, ist in Großbritannien die erste verlagsübergreifende Anlaufstelle, wenn es um Beschwerden über die Arbeit von Journalisten geht. Wer immer den Eindruck hat, ein Bericht in einem Pressemedium sei diskriminierend oder verstoße anderweitig gegen journalistische Arbeitsregeln, der hat hier einen Ansprechpartner. Soweit entspricht die IPSO dem Presserat in Deutschland.

Für Pressefreiheit mit Verantwortung

Mit einer Anti-Fake News-Kampagne präsentiert sich die Organisation aktuell der Öffentlichkeit als Garant für die Einhaltung journalistischer Standards. Gleichzeitig gibt sie ihren Mitgliedern und deren 2.500 Zeitungen, Zeitschriften und Websites damit eine Möglichkeit, ihre digitalen Angebote mit einem IPSO-Gütesiegel von nicht regulierten Angeboten abzuheben. Das Siegel selber, mit dem Slogan „Für Pressefreiheit mit Verantwortung“, wurde in Zusammenarbeit mit der Werbeagentur McCann London entwickelt.

Logo IPSO

„Eine Schlüsselaufgabe der Arbeit der IPSO ist es, die Öffentlichkeit zu befähigen zwischen professionellen Inhalten und Internet-Schrott zu unterscheiden“, erklärt IPSO-Geschäftsführer Matt Tee den Hintergrund der neuen Kampagne.

Gütesiegel als Garant für professionelle Standards

Auf das Gütesiegel macht eine Anzeigenkampagne aufmerksam, die derzeit in Zeitungen der IPSO-Mitglieder geschaltet wird, zum Beispiel in The Times, The Telegraph oder der Daily Mail.

IPSO Fake News not welcome

„Unser Anspruch ist, dass jedes Stück, dass dieses Logo trägt, einer Reihe professioneller Standards gerecht wird, und falls Sie glauben, dass es diesen Standards nicht gerecht wird, wenn es irreführend oder verzerrt ist, dann können Sie sich uns gegenüber beschweren und wir zwingen die Zeitung eine Korrektur zu veröffentlichen oder ein Urteil, das besagt, dass sie etwas falsch gemacht hat“, erläutert Tee.

Editorial Media lassen sich in an journalistischen Standards messen

Damit markiert er treffend den Unterschied von Editorial Media und anderen Web-Angeboten. Editorial Media lassen sich an journalistischen Standards messen. „Das trifft auf eine riesengroße Menge von dem, was man im Internet findet, nicht zu“, sagt Tee.

Klar sei aber auch: Fake News sind nur falsche, irreführende oder verzerrte Berichte. „Wir meinen ganz sicher nicht Dinge, die man bloß nicht mag, weil sie eine andere Meinung zum Ausdruck bringen“.

IPSO London steht vor einer großen Herausforderung

Die IPSO selbst ist ein Beispiel dafür, dass die Durchsetzung journalistischer Standards eine wirkliche Herausforderung ist. Die 2014 gegründete Organisation ist der Nachfolger der Press Complaints Commission (PPC). Diese hatte sich im Zuge des sogenannten „Phone Hacking“-Skandals, bei dem sich Boulevardjournalisten des Verlages News International illegal Zugang zu Telefon-Mailboxen prominenter Personen verschafft hatten, als zahnloser Tiger erwiesen. Trotz frühzeitiger Klagen und Untersuchungen war es nicht die PPC, sondern öffentlicher Druck von Medien und Politik, der zu gravierenden Konsequenzen führte: zur Einstellung der Boulevardzeitung News of the World, zur Abwicklung der PPC und zur Gründung der IPSO.

Bis heute wollen nicht alle Medien Mitglied in der neuen Organisation sein, in der auch die damaligen Missetäter als Geldgeber und damit auch als Einflussnehmer aktiv sind. Einige Zeitungen, darunter der Guardian, der damals maßgeblich zur Aufdeckung des Skandals beigetragen hatte, lassen ihre Berichterstattung seitdem von eigenen Gremien überprüfen.

Das ist ein ganz wesentlicher Unterschied zum Presserat in Deutschland, der von allen wesentlichen Verbänden, dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), dem Deutscher Journalisten-Verband (DJV) und der Journalistengewerkschaft (dju) getragen wird.

Der Autor

Markus Schöberl
Markus Schöberl
Markus Schöberl hat fast 15 Jahre im Pressevertrieb auf Verlagsseite gearbeitet und dort viel über die unterschiedlichen Prioritäten von Zeitungen und Zeitschriften, in Abo und Einzelvertrieb und zuletzt auch beim Vertrieb digitaler Presse (Paid Content) erfahren. Seit 2013 veröffentlicht er einmal monatlich pv digest, eine Analyse der wichtigsten Entwicklungen in diesen Bereichen. Darüber hinaus berät er ausgewählte Verlage und Vertriebsunternehmen in Vertriebsfragen, hält Vorträge und moderiert Veranstaltungen zu seinen Themen.