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Studie: Die Deutschen nehmen das Problem „Fake News“ ernst

2018-06-18T08:49:58+00:00 22.06.2018|Kategorien: Blog, Journalismus, Umfeldqualität, Werbewirkung|Tags: , , , , |

„Fake News” tauchen nicht nur in den sozialen Netzwerken auf – sondern inzwischen sogar als Begriff im Duden. Und für die Deutschen sind sie ein reales Phänomen: Jeder zweite ist schon einmal mit digitalen Falschmeldungen in Berührung gekommen, sehr viele Deutsche fürchten sogar, dass die Demokratie unter „Fake News“ leidet. Ihr Vertrauen in journalistische Angebote bleibt dagegen nach wie vor hoch – online wie offline.

Als wir mit der Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung (GIK) in einer repräsentativen Studie für unsere neue Umfragereihe „b4p trends“ nach dem Phänomen „Fake News“ fragten, waren wir selbst überrascht, wie präsent das Problem in der Bevölkerung ist. 95 Prozent der Befragten kannten den Begriff und jeder Zweite war schon einmal wissentlich mit solchen absichtlich verbreiteten Falschmeldungen in Berührung gekommen.

Fake_News_Bekanntheit

Bei denjenigen, die sich oft bei Influencern, Bloggern und Videoportalen wie YouTube informieren, waren es sogar zwei Drittel. Die sozialen Netzwerke wie Facebook & Co. wurden in der Umfrage einhellig (92 Prozent Zustimmung) als besonders anfällig für die sich oft viral verbreitenden Lügengeschichten gesehen. 81 Prozent der Befragten sehen in „Fake News“ gemeinsam mit Hasskommentaren und Verleumdungen in den Sozialen Netzwerken eine Gefahr für die Demokratie. Es hat sich also durchaus ein Problembewusstsein für dieses Phänomen und seine Folgen für unsere Gesellschaft entwickelt.

Seriöse Quellen werden wichtiger

Unsere Studie zeigte jedoch auch, dass die Deutschen mit dem Problem „Fake News“ umzugehen wissen: 80 Prozent der Teilnehmer gaben zu Protokoll, dass sie seit der Debatte um die digitalen Falschmeldungen verstärkt darauf achten, aus welchen Quellen bestimmte Informationen stammen. Noch mehr (83 Prozent) vertrauen dabei journalistischen Medienangeboten – sei es gedruckt oder im Netz – stärker als Informationen, die sie in sozialen Netzwerken finden. Ein ganz entscheidender Punkt: Würde über ein Ereignis sowohl in Zeitungen oder Zeitschriften als auch in sozialen Netzwerken berichtet und würden sich die Meldungen deutlich voneinander unterscheiden, so hätte der Großteil (60 Prozent) der Menschen eher Vertrauen in die Print-Version als in die sozialen Netzwerke (7Prozent). Gerade die Jüngeren und formal besser Gebildeten fühlen sich von den journalistischen Angeboten zuverlässiger informiert – ein Trend, den wir über zahlreiche Fragen unserer Erhebung hinweg feststellen konnten. Insgesamt landen journalistische Internetseiten und Printmedien auf Platz 1 und 2 der Rangliste der als „sehr vertrauenswürdig“ eingestuften Nachrichtenquellen – noch vor Bekannten oder Verwandten, Online-Nachschlagewerken wie Wikipedia sowie Radiosendern.

Medienkompetenz kein Fremdwort mehr

Man darf dabei natürlich nicht vergessen, dass journalistische Inhalte und soziale Medien keine Gegenspieler sind, die einander komplett ausschließen: Viele Medienmarken sind schließlich sehr erfolgreich auf Facebook oder Twitter präsent und teilen dort ihre Inhalte. Genau diese Facebook-Beiträge, deren Absender eine Medienmarke ist, wurden in der Umfrage als besonders glaubwürdig bewertet – ebenso wie die Beiträge, die inhaltlich mit anderen traditionellen Nachrichtenquellen wie Fernsehen, Zeitung oder Radio übereinstimmen. Gar nicht zur Glaubwürdigkeit trägt es hingegen bei, wenn ein Beitrag lediglich viele Likes bekommt: Gerade mal 7 Prozent der Befragten gaben an, einer solchen Meldung Vertrauen zu schenken. Auch wenn sich bei sozialen Medien wie Facebook & Co. fast alles um Metriken wie „Likes“, Herzchen oder „Favs“ drehen mag, wissen die meisten Nutzer eben dennoch sehr genau, dass diese nichts über die Wahrhaftigkeit der geteilten Inhalte oder die Qualität der Recherche dahinter aussagen.

Erhöhte Sensibilität

Als wir unsere Umfrage im März und April 2018 durchführten, befand sich die Debatte um den Datenmissbrauch bei Facebook durch die Firma Cambridge Analytica gerade auf dem Höhepunkt. Das machte sich durchaus auch in den Antworten bemerkbar: Zum einen wusste eine deutliche Mehrheit über den Datenskandal Bescheid (60 Prozent insgesamt, höhere Werte von bis zu 74 Prozent bei Männern und formal besser Gebildeten). Darüber hinaus sagten 44 Prozent, sie planten, ihre Sicherheitseinstellungen bei Facebook zu prüfen und gegebenenfalls zu ändern. Fast ein Viertel (23 Prozent, auch hier höhere Werte bei Männern und besser Gebildeten) trugen sich zum Befragungszeitpunkt mit dem Gedanken, ihr Facebook-Konto ganz zu löschen. Wie viele der Befragten am Ende wirklich ihre Ankündigung wahr gemacht und sich bei Facebook abgemeldet haben, wird sich erst noch zeigen müssen. Facebooks offizielle Nutzerzahlen legen nicht unbedingt den Eindruck eines Massenexodus‘ nahe. Viel wichtiger scheint mir aber ohnehin, dass eine gesunde Sensibilität für Themen wie „Fake News“ und Datenmissbrauch in sozialen Netzwerken entsteht und die Nutzer über eine ausreichende Medienkompetenz verfügen, um die Glaubwürdigkeit von Informationen fundiert einschätzen zu können. Und beides ist laut unserer Befragung eindeutig der Fall.

Der Autor

Julia Scheel
Julia Scheel
Julia Scheel ist Geschäftsführerin der Media Market Insights GmbH (MMI), der Marktforschungsunit von Hubert Burda Media. Daneben ist sie Geschäftsführerin der Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung (GIK), einem Gemeinschaftsunternehmen der fünf großen Medienhäuser Axel Springer SE, Bauer Media Group, Gruner + Jahr GmbH & Co KG, Hubert Burda Media und Funke Mediengruppe. Diese veröffentlicht neben der etablierten Markt-Media-Studie best for planning (b4p) seit Neustem auch regelmäßige Befragungen zu aktuellen Themen unter dem Titel „b4p trends“.