Beiträge

Von wegen „Fake News“: Vertrauen in US-Medien steigt auf den höchsten Wert des Jahrzehnts

Der Vorwurf ist bis heute in aller Munde: Für Donald Trump sind US-Medien wie die New York Times und Washington Post, aber auch die großen Fernsehgesellschaften CNN, ABC, NBC und CBS „Fake News“.

Der US-Präsident wirft den größten Tageszeitungen und Nachrichtensendern des Landes seit Jahren vor, unwahrheitsgemäß über ihn zu berichten und geißelt seine Kritik gar im schrillen Vorwurf, „die Lügenmedien sind eine große Gefahr für unser Land“.

Vertrauen in US-Medien steigt auf den höchsten Wert des Jahrzehnts

Im Nachhall der scharfen Medienschelte, die Trump bereits während des Wahlkampfes benutzt hat, haben Marktforscher einen Vertrauensverlust ausgemacht. Ende 2016 gaben nur 32 Prozent der befragten Amerikaner an, Vertrauen darin zu haben, dass US-Medien „vollkommen akkurat und fair“ berichten würden, hat das Marktforschungsinstitut Gallup ermittelt – dem tiefsten jemals gemessenen Wert.

Allein: Seitdem hat sich viel getan. Das Vertrauen der US-Bevölkerung in die Medien ist zurückgekehrt – und das im großen Stil. War 2017 bereits eine deutliche Erholung auf 41 Prozent erkennbar, konnte das führende US-Marktforschungsinstitut im vergangenen Jahr wieder einen Anstieg auf 45 Prozent verbuchen – dem höchsten Wert im laufenden Jahrzehnt!

Schere zwischen den Generationen – und Demokraten und Republikanern

Auffällig sind die Vertrauens-Unterschiede zwischen den Generationen. So neigen ältere Amerikaner eher dazu, der medialen Berichterstattung zu vertrauen als jüngere. 53 Prozent der Über-65-Jährigen hielten US-Medien für vertrauenswürdig, während nur 33 Prozent der Unter-30-Jährigen journalistischer Arbeit ihr Vertrauen aussprachen. Gallup erklärte das weitaus tiefer verankerte Vertrauen der älteren Generation in der langjährigen Bindung an Tageszeitungen und vertrauenswürdige Nachrichtensprecher im goldenen TV-Zeitalter des 20. Jahrhunderts.

Noch gravierender ist die Schere zwischen den politischen Strömungen. So äußerten Ende vergangenen Jahres lediglich 21 Prozent der republikanischen Wähler Vertrauen in amerikanische Massenmedien. Komplett anders sieht es dagegen beim natürlichen politischen Rivalen aus: 76 Prozent der sich den Demokraten zugehörig fühlenden Wähler haben Vertrauen in die großen Medien der USA, für die etwa die aufstrebende demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez öffentlichkeitswirksam eine Lanze bricht.

US-Traditionsmedienmarken befinden sich wieder im Steigflug

Donald Trump scheint mit seiner scharfen Stigmatisierung der liberalen Leitmedien New York Times, Washington Post & Co. damit am Ende genau das Gegenteil zu erreichen: Das Vertrauen in die Traditionsmedienmarken der USA befindet sich wieder im Steigflug – und mit ihm die Abonnentenzahlen und Aktienkurse.

Der Autor

Nils Jacobsen
Nils Jacobsen
Nils Jacobsen ist Wirtschaftsjournalist und Techreporter in Hamburg. Der studierte Medienwissenschaftler und Buchautor („Das Apple-Imperium“ / „Das Apple-Imperium 2.0“ ) berichtet seit 20 Jahren über die Entwicklung der Aktienmärkte und digitalen Wirtschaft: seit 2008 täglich für den Branchendienst MEEDIA, in einer wöchentlichen Kolumne für Yahoo Finanzen und in monatlichen Reportagen für die Marketingzeitschrift absatzwirtschaft. Jacobsen war zudem als Chefredakteur der Portale CURVED, clickfish, US FINANCE und YEALD aktiv.