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Paid Content: Ausgaben der Deutschen steigen um 24% auf 400 Millionen Euro

2019-01-21T14:25:11+02:0021.01.2019|Kategorien: Blog, International|Tags: , , , |

Nach aktuellen Schätzungen des Fachdienstes pv digest bezahlen die Deutschen derzeit pro Jahr fast 400 Millionen Euro für digitale Angebote von Zeitungen und Zeitschriften und ausschließlich digital erscheinenden journalistischen Medien. Im Vergleich zum Jahresende 2017 stiegen die Paid Content-Ausgaben um 24 Prozent auf 396 Millionen Euro pro Jahr.

Paid Content-Umsätze von Fachzeitschriften über 1 Mrd. Euro

Das sind nur die Umsätze der Publikums- und Special Interest-Medien. Fachzeitschriften, die überwiegend von Unternehmen bezahlt werden, erzielen weitere Paid Content-Umsätze, die der Verband Deutsche Fachpresse in Größenordnungen oberhalb 1 Milliarde Euro veranschlagt.

Bei den Publikumsmedien sind besonders die Tageszeitungen erfolgreich beim Verkauf digitaler Angebote. Mehr als drei Viertel der knapp 400 Millionen Euro Paid Content entfallen auf deren Angebote; fast die Hälfte auf die Angebote (E-Paper, Paywalls, Apps) der regionalen Tageszeitungen. Die überregionalen Tageszeitungen erzielen mit dem Verkauf ihrer digitalen Produkte etwa genau so viel Umsatz wie die Zeitschriftenverlage.

Paid Content ist mehr als nur E-Paper

Das häufigste und auch das umsatzstärkste Paid Content-Angebot bei Zeitungen und Zeitschriften ist das E-Paper, also die digitale Nachbildung der Printausgabe. Aber immer häufiger bieten die Verlage auch andere digitale Formate. Um die Lektüre der Inhalte der Printausgaben auf einem kleinen Handybildschirm attraktiv zu machen, gibt es Apps. Zeitungen haben mittlerweile mehrheitlich Paywalls eingerichtet, so dass Gratisnutzer längst nicht mehr alle Webinhalte deutscher Zeitungen lesen können.

Aber in der Disziplin Vielfalt sind die Zeitschriftenverlage im Vorsprung. Die Stiftung Warentest verkauft mit großem Erfolg einzelne Testergebnisse und erzielt damit einen Millionen-Umsatz. Men’s Health bietet eine Personal Trainer App, der Verlag des ADAC einen Camping- und Stellplatzführer – für beide Angebote müssen Nutzer bezahlen, um sie vollumfänglich nutzen zu können. Das Wissenschaftsmagazin Spektrum bündelt wöchentlich Inhalte seiner Website in ein bezahlpflichtiges digitales Wochenmagazin. Und die Presseflatrate Readly bietet hunderte Zeitschriften im E-Paper-Format zu einem sehr günstigen Gesamtpreis und trägt so ihren Teil zu den Paid Content-Umsätzen der deutschen Zeitschriften bei.

Wie sind die Paid Content-Umsätze einzuordnen?

Bei dieser Vielfalt ist eine exakte Messung kaum möglich. Die genannten Zahlen beruhen auf veröffentlichten Daten, Hintergrundinformationen, Hochrechnungen, plausiblen Schätzungen und langjähriger Erfahrung in der Analyse dieses Marktes. Im Ergebnis liegen sie aber im Rahmen zahlreicher Vergleichswerte.

Der Weltzeitungsverband WAN-IFRA schätzt den weltweiten Durchschnittsanteil digitaler Umsätze an den Vertriebsumsätzen insgesamt auf 3 Prozent. Die genannten Paid Content-Umsätze der Zeitungen in Deutschland entsprechen bereits 6,5 Prozent ihrer gesamten Vertriebsumsätze. Bei den Zeitschriften sind es noch über 2 Prozent – allerdings mit jährlich zweistelligen Wachstumsraten.

Der Autor

Markus Schöberl
Markus Schöberl
Markus Schöberl hat fast 15 Jahre im Pressevertrieb auf Verlagsseite gearbeitet und dort viel über die unterschiedlichen Prioritäten von Zeitungen und Zeitschriften, in Abo und Einzelvertrieb und zuletzt auch beim Vertrieb digitaler Presse (Paid Content) erfahren. Seit 2013 veröffentlicht er einmal monatlich pv digest, eine Analyse der wichtigsten Entwicklungen in diesen Bereichen. Darüber hinaus berät er ausgewählte Verlage und Vertriebsunternehmen in Vertriebsfragen, hält Vorträge und moderiert Veranstaltungen zu seinen Themen.