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Blick nach Amerika: Die größten Zeitschriftenmarken

Bei Editorial Media haben die US-Amerikaner jeden Tag die Wahl. Pragmatisch wie sie sind, bereiten sie die Ergebnisse rasch auf und können so die Frage nach den reichweitenstärksten Zeitschriftenmarken monatsaktuell beantworten. Der Verlegerverband MPA veröffentlicht seit zwei Jahren eine Reichweitenstatistik (Brand Audience Report) unter dem Label Magazine Media 360°.

Im Monat August 2016 liegt ESPN The Magazine, der Zeiführenden US-Sportsenders, an der Spitze. ESPN steht für Entertainment and Sports Programming Network. Der Verlag Time Inc. ist mit drei Marken unter den Top Ten vertreten, mit der zweitplatzierten Marke People, mit Time sowie Sports Illustrated

Die unterschiedlichen Kanal-Strategien der Magazin-Marken schlagen sich in den Reichweitenstrukturen nieder. Bei Better Homes and Gardens und bei AARP – dem Mitgliedermagazin der American Association of Retired People – dominieren Print und ePaper. Das mobile Web trägt bei ESPN und Forbes, beim Gesundheitstitel WebMD Magazine sowie bei dem Food-Magazin Allrecipes jeweils mehr als die Hälfte zur Gesamtreichweite bei. Bloomberg Businessweek weist unter den Top Ten den höchsten Video-Anteil auf. Hier macht sich die Nähe zu Bloomberg TV bemerkbar.

Die reichweitenstärksten US-Zeitschriftenmarken

Wachstum bei Mobile und Video

Gegen Vorjahr können die Top Ten fast alle zulegen. Nur Better Homes and Gardens verzeichnet ein klitzekleines Minus von 0,4 Prozent. Wie zu erwarten, kommt das Wachstum hauptsächlich aus den Bereichen Mobile und Video. Des weitaus größten Zuwachses gegenüber August 2015 erfreut sich Forbes mit rund 44 Prozent insgesamt und der Besonderheit, dass die Reichweite in allen vier Kanälen zunimmt. Die Nächstplatzierten im Wachstums-Ranking folgen mit einigem Abstand: Allrecipesmit einem Plus von 16 Prozent und Time mit 13 Prozent. Für die Gesamtheit der in dem Report erfassten Zeitschriften ergibt sich ein Zuwachs der Bruttoreichweite von rund neun Prozent gegen Vorjahr. Zugleich verschieben sich die Gewichte: Der Anteil des mobilen Webs nimmt um fünf Punkte auf 33 Prozent zu, der Video-Anteil verdoppelt sich auf jetzt vier Prozent.

Es bleiben Fragen offen

Naturgemäß lässt der Brand Audience Report der US-Verleger Wünsche offen und wirft Fragen auf. So wäre es interessant, die Überschneidungen und damit die Nettoreichweite zu kennen. In manchen Fällen werden Äpfel und Birnen verglichen, weil die Verlage – sie pflegen selbst die jeweils neuen Daten ein – auf unterschiedliche Studien zurückgreifen können, sowohl für Print und ePaper, als auch für den digitalen Journalismus. Ein Manko ist, dass vielfach die App-Reichweiten fehlen, weil Comscore sie nicht ausweist. Und schließlich ließe sich fragen, ob nicht die Kontakte je nach Kanal unter Werbewirkungsaspekten völlig unterschiedlich zu bewerten sind. Wer das bejaht, soll sich eben die Top Ten in den einzelnen Kanälen ansehen, die der Verband ebenfalls ausweist.

Der Autor

Dr. Uwe Sander
Dr. Uwe Sander
Der gelernte Volkswirt arbeitete nach einigen Jahren in der empirischen Wirtschaftsforschung von 1984 bis 2014 in verschiedenen Funktionen beim Verlag Gruner+Jahr, u.a. für die Titel Capital, Stern, GEO und Art. Heute ist er freiberuflich als Autor und Berater tätig. Sein besonderes Interesse gilt der Entwicklung des digitalen Journalismus.