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Studie: Die Folgen der Fake News-Debatte in Zahlen

2017-12-04T09:30:12+00:00 08.12.2017|Kategorien: Blog, International, Werbewirkung|Tags: , , , |

Welche konkreten Folgen hat die Fake-News-Debatte für die Wahrnehmung von Medien? Welche Medien haben Glaubwürdigkeitscredits verspielt? Welche haben die Nase im Vertrauens-Ranking vorn? Genau das untersucht eine Studie, welche die Kantar Group, die Marktforschungssparte der WPP Group, unter dem Titel „Trust in News“ (2017) veröffentlicht hat. Sie ist repräsentativ für die erwachsene Online-Bevölkerung in vier Ländern: USA, UK, Frankreich und Brasilien.

Folgende Trends lassen sich über Landesgrenzen hinweg erkennen:
  • Am wenigsten vertrauen die Menschen solchen Nachrichten, die über Messaging Apps wie z.B. WhatsApp kommen oder über Social Media wie Facebook, Twitter, Instagram. Insgesamt schenken nur 37 Prozent Messaging Apps Vertrauen und nur 33 Prozent den sozialen Medien.
  • Websites und Apps mit Printwurzeln schneiden im Vertrauens-Ranking besser ab als Digital Only Brands wie beispielsweise BuzzFeed News oder Breitbart. Über alle untersuchten Länder gerechnet, vertraut nur die Hälfte den rein digitalen Nachrichtenmedien.
  • Bei Medienmarken, die Wurzeln im Magazin- oder Zeitungsbereich haben, genießen die Printversionen etwas mehr Vertrauen als die Websites und Apps. So vertrauen zum Beispiel 72 Prozent in den vier untersuchten Ländern den gedruckten Nachrichtenmagazinen, während 63 Prozent den digitalen Ablegern dieser Magazine vertrauen.
Wie haben sich die Einstellungen der Nutzer geändert?

Kantar hat auch ermittelt, wie sich die Einstellungen der Nutzer infolge der Fake-News-Debatte verändert haben. Das Vertrauen in klassische Medien und ihre digitalen Ableger hat sich bei der 59-prozentigen Mehrheit nicht verändert, für 24 Prozent ist es gesunken, für 18 Prozent aber auch gestiegen. Anders bei Social Media: Eine 58-prozentige Mehrheit hat Vertrauen in Social Media verloren. Auch bei Messaging Apps und rein digitalen Playern dominieren klar die negativen über die positiven Effekte. Editorial Media gehen also mit einem vergrößerten Reputationsvorsprung aus der Debatte hervor.

Welche länderspezifischen Unterschiede gibt es nach der Debatte?

Neben Gemeinsamkeiten gibt es natürlich auch Unterschiede zwischen den untersuchten Ländern: So liegen in Frankreich Printmagazine im Vertrauens-Ranking an der Spitze. In den USA haben die Zeitungen einen hauchdünnen Vorsprung vor den Magazinen. Print liegt somit in beiden Ländern vorn. Anders im Vereinigten Königreich. Obwohl es traditionell ein Zeitungsland ist, genießen die TV-Nachrichten das höchste Vertrauen. Vermutlich denken viele Briten bei Druckerzeugnissen zuerst an den reißerischen Boulevardjournalismus von auflagenstarken Massenblättern wie z.B. The Sun und stellen ihn den vergleichsweise sachlichen News der BBC gegenüber. Der Kantar-Studie gelingt es also durchaus, nationale Besonderheiten abzubilden. Umso bemerkenswerter ist das einheitlich negative Social-Media-Urteil über die Ländergrenzen hinweg.

Und Deutschland? Hier hat Kantar TNS kürzlich im Auftrag der Landesmedienanstalten eine repräsentative Studie mit ähnlichen Fragestellungen durchgeführt. Sie wurde noch nicht veröffentlicht, doch Handelsblatt-Redakteur Hans-Peter Siebenhaar konnte sie schon einsehen. Er berichtet, dass den sozialen Medien zwar für die freie Meinungsäußerung große Bedeutung beigemessen wird, dass sie aber als wenig vertrauenswürdig im Vergleich zu Editorial Media gelten.

Dr. Uwe Sander
Dr. Uwe Sander
Der gelernte Volkswirt arbeitete nach einigen Jahren in der empirischen Wirtschaftsforschung von 1984 bis 2014 in verschiedenen Funktionen beim Verlag Gruner+Jahr, u.a. für die Titel Capital, Stern, GEO und Art. Heute ist er freiberuflich als Autor und Berater tätig. Sein besonderes Interesse gilt der Entwicklung des digitalen Journalismus.