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Ungeteilte Aufmerksamkeit: die Wirkungsstärke von Print

2019-06-03T16:40:57+02:0003.06.2019|Kategorien: Allgemein, Blog, International, Journalismus, Umfeldqualität|Tags: , , , , , |

Hier ein Selfie an der Außenalster, da ein Poserbild mit Snowboard und hier und da ein bisschen Werbung – sei es im Newsfeed, in der Instagram-Story oder direkt von Influencern. Man könnte meinen, das wirklich coole Leben finde nur noch auf Instagram & Co. statt – auch für Werbekunden, die immer zahlreicher buchen, wie die Umsatzzahlen (1. Quartal 2019) des Social Media-Pioniers vermuten lassen.

Doch wie steht es um die Aufmerksamkeit der Nutzer?

Ob sich Werbetreibende damit wirklich einen Gefallen tun, untersucht eine Studie von Score Media (2019). In Zusammenarbeit mit der Digitalagentur Annalect hat der Zeitungsvermarkter in der Studie „Der Faktor Print“ untersucht, wie verschiedene Mediengattungen (TV, Print, Hörfunk und das Internet) vom Nutzer wahrgenommen werden und welche Wirkung sie hinsichtlich der Atmosphäre, Umgebung und Intensität bei ihm entfalten.

Ergebnis: Es sind nicht die sozialen Medien, die das ideale Werbeumfeld bieten, sondern weiterhin das Medium Print.

Nicht der schnelllebigen Instagram- oder Snapchat-Story, der Nachrichtensendung im Radio oder dem Spielfilm im Fernsehen wird die meiste Aufmerksamkeit geschenkt, sondern der Zeitung. So gaben 69 Prozent der Befragten an, dass sie einer abonnierten Zeitung während der Lektüre uneingeschränkte Aufmerksamkeit schenken. Fernsehen (Alleinnutzung 47 Prozent), im Internet surfen (45 Prozent) oder Radio hören (9 Prozent), würden dagegen oft von anderen Tätigkeiten wie Auto fahren, telefonieren oder Hausarbeit überlagert oder unterbrochen.

Werbewirkung in Print am höchsten

Printmedien werden nicht nur am aufmerksamsten gelesen – sie bieten auch das beste Werbeumfeld, weil Anzeigen hier am stärksten erinnert werden. So können sich 80 Prozent der Leser von Abozeitungen, 76 Prozent von Zeitschriften und 67 Prozent von Kaufzeitungen an die durch Anzeigen beworbenen Marken erinnern. Das Internet folgt trotz seiner interaktiven Wirkung mit 63 Prozent nur auf dem zweiten Platz, während Fernsehen und Radio mit nur 50 Prozent abgeschlagen auf den weiteren Plätzen landen.

Der Grund für den hohen Erinnerungswert von Print ist offenbar die entspannte, bequeme und gleichzeitig fokussierte Nutzung, die Leser der Zeitung entgegenbringen. „Wie die Studie ‚Faktor Print‘ eindrucksvoll belegt, bildet die Abozeitung in einer zunehmend hektischer werdenden Welt eine Oase der Ruhe und Entschleunigung und bietet den besten Zugang zur Zielgruppe“, folgert Carsten Dorn, Geschäftsführer der Score Media Group, aus den Ergebnissen. „Es gelingt dem Informationsmedium schlicht am besten, die Erinnerung an Marken und Produkte nachhaltig im Gedächtnis zu verankern.“

Der Autor

Nils Jacobsen
Nils Jacobsen
Nils Jacobsen ist Wirtschaftsjournalist und Techreporter in Hamburg. Der studierte Medienwissenschaftler und Buchautor („Das Apple-Imperium“ / „Das Apple-Imperium 2.0“ ) berichtet seit 20 Jahren über die Entwicklung der Aktienmärkte und digitalen Wirtschaft: seit 2008 täglich für den Branchendienst MEEDIA, in einer wöchentlichen Kolumne für Yahoo Finanzen und in monatlichen Reportagen für die Marketingzeitschrift absatzwirtschaft. Jacobsen war zudem als Chefredakteur der Portale CURVED, clickfish, US FINANCE und YEALD aktiv.