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„Journalismus wird nur sterben, wenn wir es bevorzugen, nicht für ihn zu kämpfen“

2019-02-08T11:23:26+02:0014.02.2019|Kategorien: Allgemein, Blog, International, Journalismus|Tags: , , , , |

“Wir können das Klischee ‘Journalismus stirbt’ einfach nicht akzeptieren. Journalismus wird nur sterben, wenn wir es bevorzugen, nicht für ihn zu kämpfen – und wenn Journalismus stirbt, stirbt auch unsere Demokratie”, konstatiert die aufstrebende US-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez, die 2018 für ihren Wahlkreis News York in den US-Kongress einzog. Und das als jüngste jemals ins US-Repräsentantenhaus gewählte Frau.

Monopol-Trend verhindert journalistische Entfaltungsmöglichkeiten

“Die größte Bedrohung des Journalismus sind aktuell die Tech-Monopole und die Konzentration des Eigentums“, mahnte Ocasio-Cortez, die es bereits auf 2,4 Millionen Follower beim Kurznachrichtendienst bringt und ihre Botschaften stets zugespitzt über die sozialen Medien formuliert.

Ihrer Meinung nach, verhindere das immer expansivere Geltungsstreben des Internet-Trios Google, Facebook, Amazon  journalistische Entfaltungsmöglichkeiten. „Tatsache ist, dass der gegenwärtige Monopol-Trend gesellschaftlich und wirtschaftlich unhaltbar ist”, wies die Senkrechtstarterin der US-Politik auf die unmittelbaren Folgen hin.

Gefahren der Machtkonztentration auf dem Werbemarkt

In der Tat ist aktuell keine einfache Situation für Verlage in den Vereinigten Staaten: „Google, Facebook und Amazon saugen den Sauerstoff aus dem Raum“, brachte Marketing-Guru Scott Galloway auf dem DLD Ende Januar 2019 die wachsende Werbemacht der Digital-Giganten auf den Punkt. Was der Bestseller-Autor („The Four“) damit meint: Das Internet-Trio verleibt sich zu einem immer größeren Teil Werbebudgets ein.

Allein im vergangenen Jahr erlösten Google, Facebook und Amazon zusammen enorme 180 Milliarden Dollar mit ihrem Anzeigengeschäft – Geld, das klassischen Medienunternehmen entsprechend fehlt.

Facebook – besondere Bedrohung für guten Journalismus

Das weltgrößte Social Network betrachtet die Kongressabgeordnete für die Bronx und Queens dagegen als besondere Bedrohung für guten Journalismus: “Die meisten Plattformen haben null Anreiz, qualitativ wertvolle, wahre Informationen zu verbreiten”, schrieb Ocasio-Cortez – und meinte damit Philanthrop George Soros, gegen den Facebook eine PR-Schmutzkampagne initiiert hatte, und weiter:

„Gesunde Demokratien brauchen qualitativ hochwertigen Journalismus. Ohne eine Reihe von unabhängigen Verlagen und den nötigen Erlösen wird unsere Demokratie weiter zerbröckeln.”

Der Autor

Nils Jacobsen
Nils Jacobsen
Nils Jacobsen ist Wirtschaftsjournalist und Techreporter in Hamburg. Der studierte Medienwissenschaftler und Buchautor („Das Apple-Imperium“ / „Das Apple-Imperium 2.0“ ) berichtet seit 20 Jahren über die Entwicklung der Aktienmärkte und digitalen Wirtschaft: seit 2008 täglich für den Branchendienst MEEDIA, in einer wöchentlichen Kolumne für Yahoo Finanzen und in monatlichen Reportagen für die Marketingzeitschrift absatzwirtschaft. Jacobsen war zudem als Chefredakteur der Portale CURVED, clickfish, US FINANCE und YEALD aktiv.