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Digital-Boom: New York Times hängt Google an der Wall Street ab

2018-02-21T09:41:45+00:00 23.02.2018|Kategorien: Blog, Journalismus, Umfeldqualität|Tags: , , , |

Es ist längst ein Dauer-Duell: Donald Trump und die New York Times. Während der 45. Präsident der USA die 1851 gegründete US-Traditionszeitung im vergangenen Jahr auf Twitter oft als „Fake News“ abtat und sie als „scheiternd“ bezeichnete („The failing NYTimes“), spricht die Wirklichkeit eine andere Sprache.

Gerade der Zwist mit dem US-Präsidenten scheint der New York Times (NYT) die Leser förmlich in die Arme zu treiben. So zu sehen in der jüngsten Quartalsbilanz, die das Verlagshaus am 08. Februar 2018 an der Wall Street vorlegte.

NYT erlöst bereits 340 Millionen Dollar mit Online-Abos

Mehr als eine Milliarde Dollar erlöste die NYT im vergangenen Jahr zusammengenommen aus Online- und Print-Abonnements. Die vor Jahren eingeschlagene Konzernstragegie, sich durch den Fokus auf Abonnements unabhängiger vom volatilen Werbegeschäft zu machen, geht damit voll auf: Mehr als 60 Prozent der Umsätze werden bereits durch Zeitungsverkäufe und Digital-Abonnements erzielt.

Wichtigste Erkenntnisse dabei: Mit dem Paradigmenwechsel von Print zu Online kommt die New York Times immer besser zurecht. Im abgelaufenen Dezember-Quartal (2017) konnte die „Gray Lady“ weitere 157.000 neue Digital-Abonnenten hinzugewinnen und bringt es nun bereits auf 2,6 Millionen Digital-Only-Abonnenten.

In einer Zeit, in der immer noch die Nachhaltigkeit von Paid Content diskutiert wird, sind die reinen Online-Erlöse der NYT bemerkenswert: Im vergangenen Geschäftsjahr konnte die US-Qualitätszeitung ausschließlich mit Online-Abonnements 340 Millionen Dollar einfahren – ein Plus von satten 46 Prozent. Die Erlöse durch Online-Anzeigen legten zudem um 14 Prozent auf 238 Millionen Dollar zu. Bis 2020 sollen die Digitalerlöse durch Abonnements und Anzeigen bereits mehr als 800 Millionen Dollar erzielen.

Paid Content-Geschäft der NYT wächst so schnell wie Facebook

Tatsächlich kann die New York Times mit ihrer boomenden Paid Content-Unit mit der Geschäftsentwicklung der dominierenden Internetriesen mithalten beziehungsweise sie sogar hinter sich lassen. Während Facebooks Umsätze im vergangenen Jahr um 47 Prozent zulegten, konnte Google-Mutter Alphabet die Erlöse lediglich um 23 Prozent steigern.

Die gesamte Digital-Sparte (Online-Abos und -Anzeigen) wächst mit 30 Prozent ebenfalls schneller als der Suchmaschinen-Gigant. In der Gesamtheit legten die Umsätze trotz des rückläufigen Printgeschäfts (Abonnements und Anzeigen gaben 2017 nach) immer noch zu, während der Konzerngewinn wegen einer einmaligen Sonderbelastung im Rahmen der Unternehmenssteuerreform der Trump-Administration um 72 Prozent nachgab.

Aktie der NYT hängt an Wall Street sogar Facebook und Google ab

Der Wall Street ist der neue Wachstumstreiber nicht verborgen geblieben. In Reaktion auf die starke Weihnachtsbilanz legte die Aktie der New York-Times am gleichen Handelstag um bis zu 14 Prozent zu. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus sogar 36 Prozent, auf Jahressicht konnten Aktionäre erstaunliche Kurszuwächse von 62 Prozent verbuchen.

Damit hat die NYT die hoch gewetteten Internet-Giganten an der Wall Street sowohl seit Jahresbeginn als auch binnen der letzten 52 Wochen deutlich hinter sich gelassen: Facebook und Google liegen seit Jahresbeginn nur marginal im Plus und könnten auf Jahressicht lediglich um 33 bzw. 29 Prozent zulegen. Und mehr noch: Nach Bekanntgabe der Quartalsbilanz in der vergangenen Woche schoss die NYT bei 25,70 Dollar gar auf ein neues 10-Jahreshoch.

Mehr zu der Strategie der New York Times sowie der Entwicklung des Aktienkurses.

Der Autor

Nils Jacobsen
Nils Jacobsen
Nils Jacobsen ist Wirtschaftsjournalist und Techreporter in Hamburg. Der studierte Medienwissenschaftler und Buchautor („Das Apple-Imperium“ / „Das Apple-Imperium 2.0“ ) berichtet seit 20 Jahren über die Entwicklung der Aktienmärkte und digitalen Wirtschaft: seit 2008 täglich für den Branchendienst MEEDIA, in einer wöchentlichen Kolumne für Yahoo Finanzen und in monatlichen Reportagen für die Marketingzeitschrift absatzwirtschaft. Jacobsen war zudem als Chefredakteur der Portale CURVED, clickfish, US FINANCE und YEALD aktiv.